Studie Lebenszykluskostenvergleich von Dekarbonisierungs- und Sanierungsmaßnahmen am Beispiel EFH und MFH
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Projektbeschreibung
Die beiden Studien stellen einen Wirtschaftlichkeitsvergleich verschiedener Sanierungsmaßnahmen (Gebäudehülle und Haustechnik) für zwei fiktive und gleichzeitig typische Gebäude dar.
Es wurde ein Mehrfamilienhaus (rund 1.000 m² Wohnnutzfläche) der Bauperiode 1981 bis 1990 im Originalzustand mit dezentralen Gasetagenheizungen und einem standortbezogenen Heizenergiebedarf (HEB) von 128 kWh/m²a untersucht.
Zusätzlich wurde ein Einfamilienhaus der Bauperiode 1961 bis 1980 als Beispielgebäude definiert. Unter der Annahme, dass bereits einzelne Sanierungsmaßnahmen umgesetzt wurden, liegt der unter Standard-Normbedingungen berechnete Bedarf an Heizenergie (HEB) für den Energieträger Gas für das Standortklima St. Pölten und einer Raumtemperatur von 22°C bei 259,3 kWh/m²a
Die methodische Herangehensweise für die Analyse der Gebäude erfolgte in drei Schritten. Zunächst wurde der Energiebedarf gemäß OIB RL6 (2023) ermittelt, gefolgt von einer Kalkulation der Betriebs- und Investitionskosten sowie einer 30-jährigen Lebenszykluskostenbewertung unter Berücksichtigung von Restwerten und Reinvestitionen. Der Wirtschaftlichkeitsvergleich erfolgte mit und ohne Berücksichtigung von Bundes- und Landesförderungen (Einmalzuschüsse Stand Jänner 2026).
Es wurden mehrere Varianten verglichen, die sich durch den Grad der thermischen Sanierung und die Art der Wärmebereitstellung unterscheiden. Bei der thermischen Sanierung wurde der Bestand mit einer Teilsanierung und umfassender Sanierung verglichen. Bei der Wärmebereitstellung wurden die Systeme dezentrale Gastherme im Bestand mit Fernwärme, Sole-Wasser-Wärmepumpe und Luft-Wasser-Wärmepumpe sowie Pellets-Kessel für das EFH gegenübergestellt.
Ergebnis Studie MFH
- In der Basisbetrachtung ohne Förderung zeigt sich, dass umfassende Sanierungen hohe Initialkosten verursachen, diese jedoch durch reduzierte Energiekosten kompensiert werden. Trotz unterschiedlicher Anfangsinvestitionen laufen fast alle Sanierungsvarianten nach 30 Jahren in einem engen Korridor zwischen ca. -1,1 Mio. € und -1,2 Mio. € kumulierten Barwert zusammen.
- Zur Prüfung der Resilienz wurden drei Sensitivitätsanalysen berechnet, mit einer höheren Preissteigerung für den Gaspreis in den kommenden Jahren, Investitionskostenerhöhung um 20 % und eine Erhöhung des Kalkulationszinssatzes auf 5 %.
- Die Einbeziehung von Förderungen verändert die ökonomische Rangfolge maßgeblich. Die Förderung fungiert als Anreizsystem, das die Amortisationszeitpunkte um bis zu 10 Jahre nach vorne verschiebt. In den einzelnen Bundesländern schwankt die Höhe der Förderungen für Sanierung sehr stark, und es ist ebenso ein deutlicher Unterschied zwischen Mehrfamilienhäusern und Einfamilienhäusern für den Anteil der Förderung zu erkennen.
- Die Studie belegt, dass eine Amortisation umfassender Sanierungen über 30 Jahre oft nur knapp erreicht wird. Unter Berücksichtigung der Kombination aus technischer Effizienz (niedrige Energiekosten), langfristigem Werterhalt (hohe Restwerte) und Förderung der Maßnahmen (Investitionszuschüsse) erweist sich die energetische Modernisierung einschließlich Dekarbonisierung im Vergleich zur Bestandserhaltung jedoch als die wirtschaftlich vorteilhaftere Option, die zudem gegenüber Energiepreisschwankungen deutlich resilienter ist.
Ergebnis Studie EFH
- Es ist erkennbar, dass in allen Sensitivitäten die Basisvariante (keine thermischen Sanierungsmaßnahmen, Gaskessel) über den Betrachtungszeitraum am schlechtesten abschneidet.
- Allgemein ist außerdem anzumerken, dass jene Varianten, in denen weiterhin mit Gas geheizt wird (Bestand, saniert und teilsaniert) keinen finanziellen Vorteil über 30 Jahre bringen. Hinzu kommt eine weiterhin bestehende Abhängig von fossilen Energieträgern und damit einhergehenden möglichen Preisschwankungen.
- Obwohl umfassende Sanierungsmaßnahmen mit deutlich höheren Investitionskosten verbunden sind, ist eine Amortisierung in einem gleichen oder teilweise kürzen Zeitraum möglich, als jene Varianten, die nur teilsaniert werden.
- Umfassende Sanierung sind mit einem deutlich geringeren Energiebedarf verbunden und weisen daher auch eine geringere Anfälligkeit auf schwankende Energiepreise auf.
- Durch umfassende Sanierungen sind auch die Kosten für eine neue Wärmebereitstellung geringer, weil diese kleiner dimensioniert ausfallen kann. Dies wirkt sich auch auf Reinvestitionen gleichermaßen reduzierend aus.
- Betrachtet man die Sensitivitäten, welche höhere Preissteigerungen von Strom und Pellets annehmen, sind die Varianten mit einer Wärmepumpe bzw. mit einem Biomassekessel dennoch Varianten, die über den Betrachtungszeitraum nicht den Anschluss verlieren. Dies kann einerseits auf die niedrigen spezifischen Kosten von Pellets und auf den geringen Strombedarf der Wärmepumpen (auf Grund der hohen Effizienz) zurückgeführt werden. Vor allem die umfassend sanierten Varianten weisen eine geringe Anfälligkeit auf diese Preissteigerungen auf.
- Mit Betrachtung der unterschiedlichen Förderungen können unterschiedliche Herangehensweisen und Förderschwerpunkte erkannt werden. Auch die Höhen der Förderungen (Einmalzuschüsse) sind sehr unterschiedlichen und führen daher in den Bundesländern zu deutlichen Unterschieden in der Amortisierungsdauer.