Dekarbonisierung vor thermischer Sanierung? Bewertung von Sanierungserfordernissen für die Umstellung auf erneuerbare Wärme
Neubau- & Sanierungsberatung Machbarkeitsstudien Zieldefinition für nachhaltige und energieeffiziente Gebäude Lebenszykluskosten
Projektpartner
Projektbeschreibung
Im Rahmen der Initiative „100 Projekte Raus aus Gas“ wurde im Projekt untersucht, unter welchen Voraussetzungen eine Dekarbonisierung von Mehrfamilienhäusern auch ohne umfassende thermische Sanierung möglich ist. Ziel war es, realistische Maßnahmenpfade aufzuzeigen, um rasch auf erneuerbare Heizsysteme (insbesondere Wärmepumpen und Fernwärme) umsteigen zu können. Damit soll der Einstieg in die Wärmewende erleichtert und Eigentümer*innen bei Investitionsentscheidungen unterstützt werden.
Ausgangspunkt der Analyse waren 30 reale, typische Wiener Wohngebäude, die mit der Simulationssoftware Scandens detailliert energetisch analysiert wurden. Dabei wurden Heizwärmebedarf, Heizlast und Vorlauftemperatur im Bestand sowie in verschiedenen Sanierungsszenarien berechnet. Für jedes Gebäude wurden ein Zwischenziel (Dekarbonisierung mit ≤ 55 °C Vorlauf) und ein Zielbild (vollständige thermische Sanierung) definiert.
Die Gebäude wurden daraufhin sieben typischen Clustergruppen zugeordnet je nachdem, ob thermische Maßnahmen erforderlich, sinnvoll oder nicht notwendig sind. Im Zentrum stand die technische Fähigkeit zur Nutzung von Niedertemperatur-Heizsystemen (Low-Temperature-Ready). Die Ergebnisse zeigen: In vielen Fällen ist eine Dekarbonisierung auch ohne umfassende Sanierung möglich, insbesondere durch Optimierung der Wärmeabgabe (z. B. Heizkörpertausch, hydraulischer Abgleich). In anderen Fällen ist eine Sanierung technisch erforderlich. Als Kernergebnis wurde die methodische Grundlage für einen Entscheidungsbaum entwickelt. Eigentümer*innen erhalten so auf Basis weniger Gebäudedaten eine erste Einschätzung zu den empfohlenen Maßnahmen.
Wesentliche Erkenntnisse:
- Vorlauftemperatur als Schlüsselparameter: Nicht der Heizwärmebedarf allein, sondern die erforderliche Vorlauftemperatur ist entscheidend für die Wärmepumpentauglichkeit.
- Dekarbonisierung oft ohne umfassende Sanierung möglich: In vielen Fällen kann bereits durch technische Maßnahmen an der Wärmeabgabe (z. B. Heizkörpertausch, hydraulischer Abgleich) die nötige Vorlauftemperatur erreicht werden.
- Gebäude-Cluster zeigen systematische Muster: Zwei Cluster mit insgesamt 16 Gebäuden sind sofort LT-ready oder nahe daran. Andere Cluster erfordern gezielte thermische Maßnahmen zur Reduktion der Heizlast.
- Fernwärmegebiete ermöglichen vereinfachten Zugang zur Dekarbonisierung: Hier sind oft nur haustechnische Anpassungen erforderlich.
Die Studie wurde im Rahmen der Initiative „100 Projekte Raus aus Gas“ von der Abteilung Energieplanung der Stadt Wien beauftragt und von der Klima- und Innovationsagentur Wien begleitet und kann hier heruntergeladen werden.
Weiterführende Informationen: https://www.wien.gv.at/kontakt/ma20-publikationen#studien-und-berichte