Klimafitte Gebäude: 6-Punkte-Programm für Hitzeschutz & Sanierung
14 Verbände fordern ein 6-Punkte-Programm für klimafitte Gebäude: Mehr Hitzeschutz, thermische Sanierung, Energieeffizienz und Klimawandelanpassung für Österreich.
Hitzeschutz braucht mehr als Klimaanlagen: Auf Initiative der IG Lebenszyklus Bau haben 14 Verbände und Organisationen ein 6-Punkte-Programm für klimafitte Gebäude und eine zukunftsfähige Sanierung des österreichischen Gebäudebestands vorgelegt. Auch e7-Gesellschafterin Margot Grim-Schlink, stv. Sprecherin des Vorstands der IG Lebenszyklus Bau, hat die Initiative maßgeblich mitangestoßen.
Die zunehmende sommerliche Hitze macht deutlich, dass Klimaschutz und Klimawandelanpassung im Gebäudesektor gemeinsam gedacht werden müssen. Gebäude müssen nicht nur energieeffizienter und klimafreundlicher werden, sondern auch besser gegen die Folgen des Klimawandels, insbesondere gegen sommerliche Überhitzung und zunehmende Hitzebelastung, geschützt sein.
Das nun vorgelegte 6-Punkte-Programm für klimafitte Gebäude setzt deshalb auf eine umfassende Sanierungs- und Anpassungsstrategie für den Gebäudebestand. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen, die den Energiebedarf reduzieren, die Dekarbonisierung vorantreiben und gleichzeitig den Hitzeschutz verbessern.
Sanierung und Hitzeschutz gemeinsam denken
Die von der Bundesregierung geplanten Erleichterungen für den Einbau von Klimaanlagen können aus Sicht der beteiligten Organisationen zwar Teil der Lösung sein. Nachhaltiger Hitzeschutz beginnt jedoch früher: bei einer guten Gebäudehülle, wirksamem außenliegendem Sonnenschutz, ausreichender Dämmung, einer klimafitten Energieversorgung sowie Maßnahmen zur Begrünung und Entsiegelung.
Damit lassen sich Klimaschutz, Energieeffizienz und Klimawandelanpassung miteinander verbinden. Gleichzeitig können thermische Sanierungen und die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung dazu beitragen, langfristig Energiekosten zu reduzieren und die österreichische Bau- und Sanierungswirtschaft zu stärken.
„Wir müssen den Bürokratieabbau bei Sanierungen jetzt bei Sonnenschutz-, Dämm- und Dekarbonisierungsmaßnahmen beschleunigen, die zugleich auch der Kühlung dienen. Das ist nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch zur Klimawandelanpassung und zur Unterstützung der Wirtschaft“, betont Margot.
Das 6-Punkte-Programm für klimafitte Gebäude
Die gemeinsamen Forderungen der 14 Verbände und Organisationen adressieren zentrale Rahmenbedingungen für die Sanierung und Klimaanpassung des Gebäudebestands:
1. Sanierungsverfahren vereinfachen und beschleunigen
Bewilligungsverfahren für thermische Sanierungen, Sonnenschutz, Begrünung, Entsiegelung und klimafreundliche Heiz- und Kühllösungen sollen einfacher, schneller und besser koordiniert werden.
2. Steuerliche Anreize und Förderungen stärken
Klimawirksame Investitionen in Energieeffizienz, Sanierung und Klimawandelanpassung sollen durch geeignete Förderungen und steuerliche Anreize attraktiver werden.
3. Klimafitte Gebäude im Mietrecht ermöglichen
Die Qualität und der energetische Zustand eines Gebäudes sollen bei mietrechtlichen Rahmenbedingungen stärker berücksichtigt werden.
4. Klimaanpassung bei Sanierungen mitdenken
Maßnahmen gegen sommerliche Überhitzung sollen stärker mit thermischer Sanierung und energetischer Optimierung verbunden werden. Dazu gehören insbesondere passiver Sonnenschutz, energieeffiziente Kühlung sowie Begrünungs- und Entsiegelungsmaßnahmen.
5. Planung und Umsetzung erleichtern
Technisch bewährte Maßnahmen sollen durch standardisierte Verfahren und klare Rahmenbedingungen schneller umgesetzt werden können.
6. Entsiegelung und blau-grüne Infrastruktur vorantreiben
Neben dem einzelnen Gebäude sollen auch Freiräume und das unmittelbare Umfeld berücksichtigt werden. Begrünung, Entsiegelung sowie die Nutzung und Speicherung von Regenwasser können einen wichtigen Beitrag zur Klimawandelanpassung leisten.
Warum jetzt gehandelt werden muss
Der Sanierungsbedarf im österreichischen Gebäudebestand ist groß. Gleichzeitig ist die Sanierungsaktivität zuletzt zurückgegangen: Laut aktuellem Monitoring des Umweltbundesamts lag die thermische Sanierungsrate 2024 bei rund 0,9 Prozent. Für eine vollständige Dekarbonisierung des Gebäudebestands bis 2040 müsste die Sanierungsrate demnach deutlich steigen.
Auch aktuelle Entwicklungen in der österreichischen Klimapolitik zeigen, dass thermische Sanierung, Energieeffizienz, Dekarbonisierung und Klimawandelanpassung zunehmend zusammengedacht werden. Die klimaaktiv-Kriterien für Gebäude wurden 2026 beispielsweise um Anforderungen an Klimawandelanpassung und Kreislaufwirtschaft erweitert.
Für uns ist daher klar: Eine klimafitte Gebäudewende braucht mehr als einzelne technische Maßnahmen. Entscheidend ist ein integrierter Ansatz, der energetische Sanierung, erneuerbare Energieversorgung, Hitzeschutz und Klimawandelanpassung miteinander verbindet und gleichzeitig die notwendigen Rahmenbedingungen für Eigentümer, Planer und die Bauwirtschaft schafft.
Das 6-Punkte-Programm wurde auf Initiative der IG Lebenszyklus Bau gemeinsam mit 13 weiteren Verbänden und Organisationen entwickelt und an die österreichische Bundesregierung übermittelt.
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Zum vollständigen 6-Punkte-Programm
Schlagwörter: Klimaschutz, Klimawandelanpassung, klimafitte Gebäude, Hitzeschutz, Gebäudesanierung, thermische Sanierung, Energieeffizienz, Dekarbonisierung, Gebäudebestand, sommerliche Überhitzung, Sanierungsstrategie, Österreich